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Unser Blog des Monats: ulligunde.com

Unser Blog des Monats: ulligunde.com

Über Ulligunde.com


Erika ist eine wirklich bewundernswerte Frau, die voller Energie ihrer Passion – dem Klettern – nachgeht und der Angst trotzt, die sie manchmal überkommt. Auf ihrem Blog ulligunde.com berichtet sie nicht nur über atemberaubende Klettertouren in der Cassin an der Westlichen Zinne oder an den Renkfällen im Winter, sondern auch über die Themen Angst sowie Angstbewältigung, welche Erika stark thematisiert.

Eine interessante Kombination, denn wie passen solch ein starkes Gefühl und der Drang Gipfel zu erklimmen zusammen? Das und vieles andere haben wir nachgefragt. In unseren 10 Fragen an ulligunde.com steht uns Erika Rede und Antwort.

Erika

Hinter ulligunde.com steckt der Sonnenschein Erika; Foto: VAUDE - Moritz Attenberger

10 Fragen an ulligunde.com:


Mit welchen drei Worten würdest Du Dich beschreiben?


Ängstlich. Quirlig. Offen.


Ulligunde ist nicht nur der Name Deines Blogs, sondern auch Dein Spitzname... wie kam es denn zu dieser Namensgebung?

Als ich vor rund zehn Jahren auf den Namen kam, war ich fest überzeugt, dass das ein üblicher altdeutscher Name ist – ähnlich wie Brunhilde oder Kunnigunde. Dass ich mir da einen ganz neuen Namen ausgedacht hatte, das habe ich erst dieses Jahr rausgefunden. Shit happens ;-)


Du bist eine passionierte Kletterin – was fasziniert Dich an diesem Sport?

Es ist vor allem die mentale Herausforderung. Ich bin ein furchtbar ängstlicher Mensch, ich kann mich selbst beim Sportklettern ganz famos gruseln. Sich dieser Angst zu stellen, sie zu überwinden und nach einem langen Tag tatsächlich auf einem Gipfel zu stehen – das sind die Momente, nach denen ich suche.


Rottachberg


Klettern am Rottachberg; Foto: Christian Seitz


Welche Tour hat Dich besonders geprägt und warum?

Mehrere Touren im vergangenen Jahr haben mich stark geprägt. Ich klettere inzwischen seit einigen Jahren, bis 2014/2015 aber noch das meiste im Nachstieg, weil ich mich vor dem Unbekannten gefürchtet habe. Selbst in eine unbekannte Sportklettertour einzusteigen fand ich damals schon gruselig. Von einer alpinen, langen Tour ganz zu schweigen.


Durch einen neuen Seilpartner fasste ich völlig neues Selbstvertrauen, sodass ich inzwischen auch Touren selbst und als stärkerer Teil führe. Von dem her waren die prägendsten Touren zum einen die Cassin an der Westlichen Zinne und zum anderen der Nord-Ost-Grat aufs Zervreilahorn. Dass ich jemals durch in Wechselführung die Nordwand einer Zinne klettern würde, das war bis dahin absolut undenkbar. Und das Zervrailahorn war die erste echte, alpine Tour, die ich als stärkeres Seilschaftsmitglied geführt habe. Eine Tour, bei der ein Rückzug schwierig und die Absicherung teils selbst zu legen ist – auf diese Leistung bin ich immer noch richtig stolz.


Was war bisher Deine außergewöhnlichste Erfahrung auf einer Deiner Touren?

Der Blick „hinunter“ auf die Große Zinne, nachdem wir über die Cassin auf die Westliche Zinne gecruised waren. Das war ein absolut einmaliger Augenblick – ich sah unser Gipfelkreuz, meinen Seilpartner – dann die benachbarte Zinne... Und mir wurde plötzlich klar, dass wir die Tour wirklich geschafft hatten. In Wechselführung! ICH! Zinne! Cassin! Ich war völlig von den Socken.


Renkfalle


Eisklettern an den Renkfällen; Foto: M. Dürr



Das Thema Angst bzw. Angstbewältigung spielt für Dich eine große Rolle und ist sehr präsent. Erzähl uns doch ein wenig mehr darüber, warum Du dich mit diesem Thema auseinandersetzt und was es für dich bedeutet.


Wie gesagt, ich bin einfach ein furchtbar ängstlicher Mensch. Ich grusle mich schon wenige Zentimeter über dem Haken. Diese Angst ist aber speziell beim Sportklettern häufig unbegründet und bremst nur. Mein Ziel ist es, mich ähnlich unbekümmert im Vertikalen zu bewegen wie zum Beispiel mein Freund. Ich würde gerne herausfinden, ob ich das mit Training und Wille womöglich erreichen kann.


GroßeZinne


Auf dem Gipfel der Großen Zinne


Wie sieht eine Woche ohne das Klettern aus?


Da ich mich Anfang des Jahres mit meinem Blog, mit Fotografie und Schreiben selbstständig gemacht habe, kommt es schon manchmal vor, dass ich mal eine Woche lang kaum zum Klettern komme. Das liegt dann aber eher an irgendwelchen Reisen, denn selbst bei viel Büroarbeit lockt der Fels doch zu sehr – es ist einfach ein perfekter Ausgleich, bei dem man für einige Stunden den Kopf entlüften kann. Und manchmal werde ich ja gar fürs Klettern bezahlt – bei meiner Tour auf die Zugspitze über einen neuen Steig nächste Woche zum Beispiel.


Was ist Dein Basic-Equipment auf einer Tour – was muss mit und was kann auch Zuhause bleiben?


Das hängt natürlich immer von der Tour ab, aber ich bin schon eher jemand, der im Zweifel lieber etwas daheim lässt, anstatt zu viel auf den Gipfel oder durch die Wand zu schleifen. Die Kamera ist allerdings grundsätzlich und immer dabei – wenn es die Schwierigkeit der Kletterei es irgendwie zulässt, dann auch immer die große Spiegelreflexkamera.


BlickZinneAusblick auf die Große Zinne


Was sind Deine Ziele für das verbleibende 2016?


Die bisherige Saison war leider noch nicht besonders „ergiebig“ – die Selbstständigkeit frisst einerseits doch etwas Zeit, andererseits ist das Wetter einfach zu unbeständig. Ganz oben auf der Liste stehen noch Hochtourenziele wie das Finsteraarhorn, die Hochalmspitze über den Südpfeiler, zwei Gipfel im Bergell sowie die Nordkante des Grundschartners im Zillertal. Mal sehen, ob sich davon noch was ausgeht.


Welches sind Deine liebsten Kletter-Locations und gibt es auch welche, die auf Dich keinen Reiz ausüben?

Das hängt immer vom Stil ab. Zum Sportklettern bin ich gerne in feinem Granit unterwegs – zum Beispiel im Zillertal. Aber auch bei uns daheim am Rottachberg gefällt es mir einfach saugut – da kommt man mit viel Kraft und wenig Technik ziemlich weit, das liegt mir ;-)


Alpinklettertechnisch bin ich auch lieber im Granit unterwegs, einfach weil ich es ästhetischer finde als der Kalk, der weniger klare Strukturen hat und häufig irgendwie... hm.. chaotisch aussieht :) Im Zweifel mag ich aber auch lieber etwas leichtere, längere Kletterei mit Gipfelziel als irgendwas Hartes, das mitten in der Wand endet. Deshalb auch Ziele wie Grundschartner, Hochalmspitze, Fußsteinkante, Zervreilahorn, Chamonix...


Cassin


Unterwegs in der Cassin/Westliche Zinne


Erikas Blog ulligunde.com ich nicht nur für Sportkletterer absolut lesenswert, sondern auch für Laien oder Menschen, die mit dem Klettern anfangen wollen. Wunderbare Gipfelbilder und Schnappschüsse der Tour wecken die Lust, es selbst einmal auszuprobieren. Doch neben tollen Fotografien warten auch spannende sowie ehrliche Berichte auf einen, in denen Erika nicht scheut, von ihren eigenen Schwierigkeiten und Gefühlen zu erzählen. An dieser Stelle danken wir Erika für das tolle Interview und wünschen Ihr alles Gute für den Blog und die Zukunft!