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Schlafsäcke - Alles, was man darüber wissen sollte

Schlafsäcke - Alles, was man darüber wissen sollte
Ein guter Schlafsack ist das A und O bei Ausflügen, Camping-Urlauben oder Touren. Er ist der Ort, an dem Ihr nachts ausruht und neue Kräfte für den kommenden Tag sammelt. Nichts ist schlimmer als eine unruhige Nacht, in der man kaum geschlafen und womöglich noch gefroren hat. Wir haben für Euch wichtige Facts zusammengestellt, die man über Schlafsäcke wissen sollte und geben Euch Tipps, wie man nach dem richtigen Modell Ausschau hält.

 

Schlafsack-Typen:


In der Regel wird zwischen drei Schlafsack-Arten unterschieden, die sich nicht nur in ihrer Form, sondern auch anhand ihrer Isolierung oder dem Packmaß unterscheiden.

Deckenschlafsäcke:



  • Sommerliche Temperaturen; gemäßigte Klimazone

  • Komforttemperatur ca. +3°C bis + 15°C

  • Ein Reißverschluss, der zwei Seiten umläuft. Durch das Öffnen beider Reißverschlüsse kann der Schlafsack entweder als Decke oder geschlossen eingesetzt werden, wenn es etwas kühler ist

  • Rechteckiger Schnitt

  • Große Bewegungsfreiheit und viel Komfort


→ Deckenschlafsäcke mit einer Kunstfaser-Füllung können vielseitig eingesetzt werden. Sie bieten sich vor allem in Bereichen mit hoher Luftfeuchtigkeit an, da sie aufgrund ihrer Füllung nur sehr wenig Feuchtigkeit aufnehmen und schnelltrocknend sind. Sie gehören zu den pflegeleichtesten Modellen!

Mumienschlafsäcke:



  • Kühlere Temperaturen; extremere Klimazonen

  • Komforttemperatur ca. -15°C bis +10°C

  • Geringes Packmaß und Gewicht

  • Hohe Isolierleistung

  • Schnitt orientiert sich am menschlichen Körper, d.h. weiter Bereich und zu den Füßen hin schmaler werdend, damit die Körperwärme optimal gespeichert wird

  • Kapuze schützt vor Auskühlung über den Kopf, worüber die meisten Wärme verloren wird


→ Wer in trockenen Regionen unterwegs ist und nur wenig Gepäck hat, ist mit einem Mumienschlafsack mit Daunenfüllung gut bedient. Dieser punktet mit kleinem Packmaß und geringem Gewicht, ein weiterer Pluspunkt ist das tolle Schlafklima. Allerdings überzeugen der Mumienschlafsäcke nicht mit Bewegungsfreiheit oder Bequemlichkeit. Das meist technische Design hat die Wärmespeicherung als Hauptziel, was anhand von Konturkapuzen, Wärmekragen und Reißverschluss-Abdeckleisten gewährleistet wird und worunter der Bewegungsraum ein wenig leidet.

Eiform:



  • Verbindet die Vorteile von Decken- und Mumienschlafsäcken

  • Körpernaher Schnitt mit ausreichend Bewegungsfreiheit sowie weitläufigerer Schnitt im Schulter- und Kniebereich


→ Der Schlafsack in Eiform mit Daunenfüllung eignet sich ebenfalls für den Einsatz in trockenen Gebieten, wobei hier das recht kleine Packmaß und das geringe Gewicht eine Rolle spielen. Die Eiform garantiert ein tolles Schlafklima und viel Komfort. Ein eierförmiger Schlafsack mit Kunstfaser-Füllung hingegen kann auch in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit genutzt werden, da die Kunstfasern nur sehr wenig Feuchtigkeit aufnehmen, schnell trocknen und insgesamt sehr pflegeleicht sind.

 

Die Füllung – Kunstfaser oder Daune?


Die Füllung eines Schlafsacks ist unter anderem ausschlaggebend für seinen Einsatz: denn je wärmer das Füllmaterial, in desto kälteren Regionen kann genächtigt werden. Der Schlafsack wird durch seinen Nutzer erwärmt, das Füllmaterial soll die entstandene Wärme speichern und den Körper vor der Kälte isolieren.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Daune und Kunstfaser – Polyesterfasern wie zum Beispiel Primaloft – als Füllmaterialien, die beide Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Daunenschlafsäcke


+ Geringes Gewicht und kleines Packmaß

+ Hervorragender Feuchtigkeitstransport und dadurch trockenes Schlafklima

+ Langlebig bei entsprechender Pflege

+ Wird sofort warm

- Wärmeverlust bei Feuchtigkeit

- Pflegeintensiv

- Zieht Feuchtigkeit an

- Lange Trocknungszeit

→ Für Daunenschlafsäcke gilt, dass sie in möglichst trockenen Gebieten genutzt werden sollten. Viel Feuchtigkeit in der Luft kann dazu führen, dass die feinen Daunen verklumpen und damit ihre hervorragende Fähigkeit der Wärmespeicherung verlieren. Auch bei Mehrtagestouren sollte von einer Daunenfüllung abgesehen werden. Die vom Körper abgegebene Feuchtigkeit kann vor allem bei niedrigen Temperaturen im Füllmaterial kondensieren, gefrieren und schließlich nicht mehr trocknen; das trifft auch auf die Nutzung eines Biwaksacks zu. Wer dennoch nicht auf ein hochwertiges Daunen-Modell verzichten will, sollte darauf achten, dass der Schlafsack täglich ausreichend gelüftet wird!

→ Auf das Verhältnis kommt es an! Beim Kauf eines Daunenschlafsacks sollte immer auf das Mischungsverhältnis von Daunen und Federn geachtet werden. Gänsedaune gilt als am hochwertigsten mit der besten Wärmeisolation, außerdem ist sie wesentlich leichter als Federn, die für die Stabilisierung wichtig sind. Das Daune-Federn-Verhältnis wird zum Beispiel so angegeben: 90/10 – was bedeutet, dass es einen Daunenanteil von 90% und 10% Federn gibt. Je mehr Daune verarbeitet wurde, desto wärmer und desto teurer wird das Modell.

→ Welche Qualität die verarbeitete Daune hat, kann anhand des Mischverhältnisses nicht abgeleitet werden. Darüber gibt die Fillpower bzw. Bauschfähigkeit Aufschluss, die in cuin angegeben wird. Ein einfacher Schlafsack hat etwa 450 cuin, gute Modelle bis zu 500 cuin und hervorragende Schlafsäcke bis zu 650 cuin Fillpower. Je höher diese Zahl ist, desto besser ist der Schlafsack isoliert!

→ Die weichen Daunen können auf unterschiedliche Arten verarbeitet werden. Bei Sommerschlafsäcken bzw. besonders leichten Modellen findet man durchgesteppte Kammern. In der Regel finden sich H- oder Schrägkammern, die den Daunen ausreichend Platz bieten, um sich zu entfalten. Bei besonders hochwertigen Modellen kommen die aufwändigen Trapezkammern zum Einsatz, die die beste Wärmespeicherung gewährleisten.

Einsatzgebiete: Bergsteigen, Trekking in Regionen mit wenig bis mittlerer Luftfeuchtigkeit, Biketouren mit wenig Gepäck.

 

Kunstfaserschlafsäcke


+ Hohe Isolationsfähigkeit bei Feuchtigkeit

+ Pflegeleicht

+ Geringe Feuchtigkeitsaufnahme

+ Schnelltrocknend

- Schwerer als Daune

- Größeres Packmaß als Daune

- Kürzere Lebensdauer

- Längere Aufwärmphase

Kunstfaserschlafsäcke sind wahre Allrounder und überzeugen vor allem mit ihrer Pflegeleichtigkeit und bieten sich an, wenn mit Kindern gecampt wird. Wird der Schlafsack doch einmal dreckig, kann er ganz leicht gewaschen werden und ist schnell wieder einsatzfähig. Kunstfaser-Füllmaterialien sind leider nicht so langlebig wie ihre tierischen Vertreter, jedoch ein gutes Stück günstiger. Durch spezielle Verfahren wie die Ummantelung mit Silikon werden die Fasern in ihrer Bauschfähigkeit unterstützt, wodurch die Lebensdauer verlängert wird.

→ Je nachdem wie warm der Schlafsack sein soll, werden die Kunstfasern mit Vliesen vernäht und in mehreren Lagen angeordnet. Die Schindel-Anordnung bietet die höchste Isolation, indem die einzelnen Lagen wie Dachziegel übereinander gelegt werden.

Einsatzgebiete: Kanutouren, Wintertouren, Camping, Biketouren, Hüttentouren.

 

How to: Wie finde ich den passenden Schlafsack?



  • Wer sich einen Schlafsack zulegen möchte, sollte mit möglichst konkreten Vorstellungen an den Kauf gehen. Folgende Fragen sollte man sich gestellt haben und im besten Fall bereits die Antworten kennen:

    • Wo geht es hin?

    • Welche Temperaturen sind zu erwarten?

    • Soll der Schlafsack für 4-, 3- oder doch 2-Jahreszeiten einsatzfähig sein?

    • Ist das Gewicht des Schlafsacks relevant?

    • Wie wird gereist?

    • Wieviel darf der Schlafsack kosten?



  • Ausprobieren und Probeliegen ist Pflicht, um Details abzuklären!

    • Drückt oder zieht es an manchen Stellen?

    • Wo soll der RV sein, um umständliches Öffnen zu vermeiden?

    • Brauche ich eine Isomatten, ein Reisekissen, einen Biwaksack usw.?



  • Außerdem gilt das Probeliegen auch für Isomatten & Co!


 

Darauf sollte ebenfalls geachtet werden:

  • Temperatur: Seit über 10 Jahren gilt nun in der EU die Schlafsacknorm EN 13537, welche festlegt, wie die Kennzeichnung und Beschreibung von Schlafsäcken hinsichtlich Pack-, Innenmaße und Temperatur zu erfolgen hat. So können die Angaben verschiedenster Hersteller miteinander verglichen werden, da alle Informationen nach gleichen Normvorgaben bestimmt sind. Natürlich weichen die Laborwerte vom persönlichen Wärmeempfinden ab, dennoch können die Richtwerte bei der Kaufentscheidung helfen.


Diese EU-Temperaturangaben solltet ihr kennen:

  • TComf → Komforttemperatur: Ist die Temperaturgrenze für eine sog. Standard-Frau von 25 Jahren, 160cm und 60kg. Bei diesen Werten friert man noch nicht.

  • TLim → Grenztemperatur: Dieser Wert gilt für einen sog. Standard-Mann von 25 Jahren, 173cm und 70kg. Auch hier gilt: man friert noch nicht.

  • TExt → Extremtemperatur: Diese Angabe bezieht sich auf eine Standard-Frau von 25 Jahren, 160cm und 60kg unter starker Kältebelastung. Man ist noch für einen Zeitraum von etwa sechs Stunden vor dem Erfrieren geschützt und dem Risiko einer Unterkühlung stark ausgesetzt.


→ Beim Kauf eines Schlafsacks sollte immer die TComf, also die Komforttemperatur, beachtet werden. Nach einigen Tagen kann die Isolierfähigkeit tatsächlich etwas nachlassen und auch nach anstrengenden Aktivitäten ist man besonders kälteempfindlich, weshalb ein bisschen Puffer in Sachen Temperatur absolut zu empfehlen ist. Wer sich für einen Drei-Jahreszeiten-Schlafsack interessiert sollte einen Komforttemperatur von 0°C anpeilen.

  • Gewicht bzw. Größe: Ein Schlafsack sollte immer auf Körpergröße und -gewicht abgestimmt sein. Je mehr freier Raum vorhanden ist, desto schwieriger ist es, sich aufzuwärmen, denn die freie Luft will schließlich erwärmt werden. Die eigene Körpergröße gibt Aufschluss über das passende Längenmodell!


 

Zubehör:


Ein Schlafsack allein garantiert keine gute Nacht. Um die Isolationsfähigkeit und den Schlafkomfort zu verbessern kann mit folgendem Zubehör nachgeholfen werden.

  • Vor allem bei der Nutzung von Mumienschlafsäcken sollte auf eine Isomatte niemals verzichtet werden! Durch das Körpergewicht wird das Füllmaterial zusammengedrückt, was einen Verlust der Wärmeleistung zur Folge hat. Außerdem liegt der Schläfer ungeschützt auf dem Untergrund und kann frieren. Der Wärmeverlust kann durch eine gute Thermo- oder Schaumstoffmatte extrem verringert werden.

    • Wer mit nur wenig Gepäck reist und auf jedes Gramm achtet, kann auf besonders leichte Thermo-Isomatten zurückgreifen. Außerdem gibt es auch Modelle, die mit Kunstfaser oder Daune gefüllt sind und dadurch besonders gut isolieren.



  • Wem es in seinem Schlafsack – zum Beispiel in Eiform – noch nicht kuschelig genug ist, kann auf ein Inlett zurückgreifen. Dieses sorgt für noch mehr Komfort und schützt außerdem den Schlafsack vor Schmutz, da es problemlos gewaschen werden kann. Inletts sind auch unter dem Begriff der Hüttenschlafsäcke bekannt. Sie können aus Baumwolle, Fleece oder Seide bestehen, sind sehr leicht und können die Wärmeleistung um bis zu 5°C steigern.

    • Inletts aus Seide kühlen bei Hitze und wärmen bei Kälte

    • Ripstop Seide ist durch gitterförmig eingewebte Fäden besonders reißfest

    • Baumwoll-Inletts sind atmungsaktiv, waschmaschinenfest und strapazierfähig

    • Ägyptische Baumwolle hat besonders lange Fasern, ist leichter sowie weicher als gewöhnliche Baumwolle

    • Inletts aus Mikrofaser zeichnen sich durch Atmungsaktivität, Schnelltrocknung und eine weiche Haptik aus

    • Microfleece-Inletts sind für schnell frierende Menschen perfekt, außerdem sind diese sehr leicht und trocknen schnell



  • Wem es immernoch nicht warm genug ist, kann über seinen (Daunen-)Schlafsack einen dünnen Kunstfaser-Schlafsack als Overbag ziehen, der Feuchtigkeit abhält und sogar bis zu 10°C mehr Wärme bringen kann.

  • Für Tourengänger und Alpinisten ist ein Biwaksack unverzichtbar, falls die Hütte nicht rechtzeitig erreicht wird, man unter freiem Himmel schlafen – bzw. biwakieren – will oder um Verletzte warm zu halten! Außerdem schützt er den Schlafsack vor eindringender Feuchtigkeit und kann bis zu 8°C an zusätzlicher Wärme bringen. Wir empfehlen einen Biwaksack in Signalfarben, damit das Opfer bei der Bergung schneller entdeckt werden kann.


 

Weitere Tipps und Wissenswertes:



  • Wie ihr euren Daunenschlafsack richtig wascht, pflegt und lagert, könnt ihr in diesem Beitrag über die Wäsche von Daune nachlesen. Er kann bis zu 30 Jahre lang ein treuer Begleiter sein!

  • Auch für Modelle mit Kunstfaser-Füllung gilt: von der Lagerung im Packsack wird abgeraten. Durch den Druck können die Fasern brüchig werden. Am besten hängend, in einem Aufbewahrungssack oder Kopfkissenbezug dunkel lagern. Mit ein bisschen Pflege habt ihr zwischen 10 und 15 Jahren Freude an einem Kunstfaser-Schlafsack.

  • Für kuschelbedürftige Schlafsack-Schläfer gibt es die Möglichkeit, zwei Schlafsäcke miteinander zu verbinden. Beim Kauf sollte auf kompatible Schlafsäcke geachtet werden, die per Reißverschluss gekoppelt werden können.

  • Vor allem bei technischen Produkten mit Daunenfüllung sollte ein Auge auf Tierschutz geworfen werden. Viele Hersteller verzichten inzwischen auf Daunen aus dem Lebendrupf oder der Stopfmast. Wer sich nicht sicher ist, recherchiert beim Hersteller selbst oder achtet auf die Angaben am Produkt.

  • Dicke und warme Kleidung sollte nicht im Schlafsack getragen werden. Am besten mit T-Shirt, Shorts und trockenen Socken in die Hülle schlüpfen, denn die eigene Körperwärme wärmt die Hülle um einen herum.

  • Für Rechtshänder bietet es sich an, den Reißverschluss auf der linken Seite zu haben und umgekehrt, um Verrenkungen beim Öffnen des RV vorzubeugen.

  • Es gibt spezielle Frauen-Schlafsäcke mit einem wärmeren Fußende und einem weichen Fleece in Arm- und Nierengegend, außerdem sind sie an die weibliche Anatomie angepasst.

  • Einige Hersteller bieten Schlafsäcke für Kinder und Jugendliche in verschiedensten Größen an.